Schola Cantorum Lorchensis

Schola Cantorum Lorchensis

Stiftsbibliothek St. Gallen

Cod. Sang. 390  Seite 13

AKTUELL

Donnerstag

21. Sept. 2017

19:00 Uhr

Sankt Konrad Lorch

Nächste Probe

Wir proben

Allerheiligen (Di,31.10.)

Allerseelen (Do.,2.11.)

in Sankt Konrad Lorch

und

Adventsandacht

mit dem LionsClub in der Klosterkirche

(Mo.,11.12.)

Warum die Mönche auch Heiler waren

Marc Grießer über die Geschichte und die geistigen

Grundlagen des Mönchtums.

Lorch (10. März 2015) - Tausend Jahre in knapp

90 Minuten: Marc Grießer, Pfarrer der römisch-kath.

Seelsorgeeinheit Lorch-Alfdorf schafft das. Und wie.

Am Dienstagabend (10. März) ließ Grießer Entwicklungen

des abendländischen Mönchtums lebendig werden.

Dazu gabs einen Grundkurs im philosophisch-theologischen

Denken der Zeit zw. etwa 400 und 1400 nach Christus.

Anlass für den Vortrag im Klosterrefektorium ist die noch

bis Ende März im Kloster Lorch zu sehende Ausstellung über die Medizin und das Gesundheitswesen im Mittelalter. Wesentliche Säule bei der Versorgung Kranker und Sterbender waren die Klöster jener Zeit. Deshalb auch hat der Freundeskreis Kloster Lorch mit seinem Vorsitzenden Manfred Schramm die Wanderausstellung nach Lorch geholt. Nun hat sie Marc Grießer erweitert um die geistig- geistlichen Grundlagen. Aus diesen Grundlagen entstanden ist auch der heute für Klöster als typisch empfundene gregorianische Gesang – in Lorch praktiziert und am Dienstagabend präsentiert von der Schola Cantorum Lorchensis unter Leitung von Bernhard Theinert.

Während das große römische Reich Macht und Glanz verlor entstand im Osten – vorwiegend  in den Wüstenlandschaften Ägyptens - Bewegungen einzelner Männer, die sich auf der Suche nach Begegnungen mit Gott als Einsiedler zurückzogen. Auch fanden sich Männer zusammen um gemeinsam die Gefahren des Alltags zu bestehen – ohne jedoch verbindliche Gemeinschaften zu schaffen. Mönchsgemeinschaften wie sie heute verstanden werden, begannen ihre große Entwicklung, so Pfarrer Grießer, im Hochmittelalter.  Auch wenn die Benediktsregel, Grundlage bis heute des Benediktinerordens, bereits im 5. Jahrhundert geschrieben war, so erlangte der Orden seine überragende Bedeutung mit Kaiser Karl dem Großen im 8. Jahrhundert. Karl nämlich nutzte die nach strengen Regeln lebende Männer-Gemeinschaft, um im Reich und in der Kirche Ordnung und Einheit zu schaffen.

Ordnung und Einheit, dies sei, führte Grießer vor etwa 50 Besuchern aus, die Grundalge des Denkens und Handelns im Hochmittelalter gewesen. Die Kaiser des Mittelalters verstanden sich als Wahrer der Einheit selbst dann noch als im 16. Jahrhundert die Einheit der römischen Kirche zerbrochen war.  Hierarchisch geordnet in geschlossenen Denksystemen, vergleichbar den gotischen Kathedralen mit ihrer nach oben Gott zustrebenden Architektur, suchten mittelalterliche Theologie und Philosophie „Kathedralen des Geistes“ zu errichten. Nicht immer mit Erfolg, wie die Geschichte des Mönchtums zeigt.

Reformen der Orden waren immer nötig: Vor 1000 begann die vom Kloster Cluny in Burgund ausgehende Erneuerung des Benediktinerordens. Die damit verbundene Verschärfung des Klosteralltags im Sinne einer strikten Befolgung der Benediktsregel kam über das Kloster Hirsau auch nach Lorch. Die Gründung des Klosters Lorch erfolgte im Geist der Hirsauer Klosterreform. Als Anfang des 15. Jahrhunderts das Konzil von Konstanz mit seinem Bemühen um die Erneuerung der ganzen Kirche scheiterte, begannen die Mönche im Ursprungskloster der Benediktiner, in Subiaco in Italien, mit einer Erneuerung. Diese Bewegung kam über das Kloster Melk an der Donau auch nach Lorch und führte hier zum erneuten Aufblühen des Klosters.

Damals allerdings war die Mönchsbewegung bereits mehrfach gespalten. Um 1100 entstand der Zisterzienserorden. Bald darauf verpflichteten sich junge Männer als Bettler in den Bettelorden zu lebten. Sie folgten dem Vorbild von Franz von Assisi. Den Niedergang der Bildung auch bei den Geistlichen aufzuhalten und abzuwenden war die Aufgabe der Predigerorden, der bekanntester der der Dominikaner ist. Als Motiv der Neugründungen und Spaltungen lässt sich immer wieder feststellten: Statt Pracht und Macht wollte man zurück zu Armut, Einfachheit und Genügsamkeit. Die spirituelle Anziehungskraft des Mönchtums führte aber auch zu wirtschaftlichem Erfolg. Der wiederum ist immer mit der Gefahr verbunden, dass das geistliche Leben dem ökonomischen untergeordnet wird. Eine Gefahr, wie Pfarrer Grießer anmerkte, der Menschen der Gegenwart stärker ausgeliefert sind als die Menschen des Mittelalters.       M. Ernst Wahl

Vortrag von Herrn Pfarrer Marc Grießer im Refektorium des Klosters Lorch am Dienstag, 10. März 2015, 19:00 Uhr.

Die Schola Cantorum singt

am Anfang "Gaudeamus" (Benedict),

in der Mitte Tropus & Introitus "Ad te levavi" und am Schluss "Ubi caritas"

Bilder: M. Schramm  Bericht:  M.Ernst Wahl